Die Europäische Union hat sich festgelegt: Arm ist, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat. Für Deutschland heißt das: etwa 930 Euro im Monat. Ein Hartz-IV-Empfänger bekommt allerdings nur 404 Euro im Monat.

Wolfgang Völker von der Diakonie Hamburg

Wolfgang Völker von der Diakonie Hamburg

Limit Existenzminimum: Wolfgang Völker ist Referent des Fachbereichs Arbeitslosigkeit und Existenzsicherung bei der Diakonie Hamburg. Für ihn ist der aktuelle Hartz-IV-Regelsatz nicht gerechtfertigt:

„Der Regelsatz müsste nach Berechnungen unseres Bundesverbandes mindestens um 100 Euro über dem aktuellen Satz liegen. Statt aktuell 404 Euro müssten es mindestens 504 Euro sein. Dieser Regelsatz gilt auch immer ohne Kosten der Unterkunft, also ohne Mieten. Das ist natürlich ein ganz großes Problem für Menschen, die wenig Geld haben in einer Stadt wie Hamburg, wo viele Menschen leben und hinziehen – und viele Leute gut verdienen. Da haben es Leute mit geringen Einkommen schwer, eine akzeptable Wohnung zu finden. Aus meiner Sicht ist das Geld, das man bekommt, zu gering, um wirklich voll und umfassend an der Gesellschaft teilhaben zu können.“

Limit Gesellschaft: Die soziale Schere in Deutschland geht laut Wolfgang Völker immer mehr auseinander:

„Angehörige einer hohen Einkommensschicht bleiben in ihrer Schicht – und Einkommensschwache bleiben in ihrer. So kommt es nachweisbar zu Verstärkungen. Die einen bleiben unten, die anderen oben. Gefühlt ist die Angst vor dem Fall größer, als die Hoffnung auf den Aufstieg.“

Die Vorurteile gegenüber armen Menschen sind laut Wolfgang Völker groß:

– Sie seien selbst schuld an ihrer Situation.
– Sie seien nicht genügend motiviert, eine Arbeit zu finden.
– Sie seien gefährlicher als der Rest der Gesellschaft.
– Sie würden oft nicht die Leistungsnormen der Gesellschaft erfüllen.
– Sie seien für den Arbeitsmarkt unqualifiziert.

Limit Sorgloses Leben: Die Diakonie bietet verschiedene Hilfsangebote wie soziale Beratungen, Unterstützung für rechtliche Schritte beim Jobcenter, Wohnungslosenhilfe, Suchtprävention, Hilfe im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Ein besonderes spendenfinanziertes Angebot ist der Mitternachtsbus, der durch Hamburg fährt. Hier werden wohnungslose Menschen mit Essen, Decken und warmen Getränken versorgt.

Existenzminimum, Armutsgrenze, Regelsatz … Ab wann beginnt denn eigentlich ein sorgloses Leben?

Wolfgang Völker legt sich fest: „Aus finanzieller Sicht sollten ein Einkommen von 1.500 Euro im Monat plus eine Mietsicherung zur Verfügung stehen.“

Letzten Endes gehört aber doch noch viel mehr als nur das Geld zu einem sorglosen Leben dazu.

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